Der Eine Gott (3)

Ich habe Euch in den letzten zwei Beiträgen einen ganz schön dicken Brocken aufgetischt, obwohl ich ohnehin auch das meiste stark vereinfacht dargestellt habe. Wenn ich jetzt auf die Person Jesus zu sprechen komme, wird alles noch einmal komplexer. Oh je, ich werde meine Erläuterungen versuchen, so einfach, wie möglich zu halten, dabei aber dennoch so ausführlich, wie nötig zu bleiben. Die Menschwerdung Gottes ist eines der schwierigsten Themen der Theologie überhaupt, und sowohl unsere Vorstellung von der Drei-Einheit Gottes, wie die Menschwerdung kann auch so mancher Christ nicht verstehen oder annehmen. Dennoch wage ich einmal den Versuch einer Erklärung.

Kategorien und Substanz

Der Philosoph Aristoteles hat eine Systematik zur Einordnung alles Seienden entwickelt,: so kann man die Dinge beschreiben zum Beispiel bezüglich ihrer Beschaffenheit, Ausdehnung, Ort, Zeit, Verhältnis zu anderem. Diese sogenannten „Kategorien“ können zum Beispiel einen Baum hinreichend beschreiben. Aber selbst wenn der Baum in jeglicher Hinsicht beschrieben ist, eines ist damit noch nicht gesagt: worum es sich eigentlich handelt (nämlich einen Baum).

Die Kategorien beschreiben also sogenannte „Akzidentien“, die Eigenschaften, das „Wie“ eines Seienden, nicht aber die Frage danach, was das „Wesen“ des Seienden ist, seine „ousía“ (griech.), „substantia“ (lat.). (Wenn also ab jetzt von „Substanz“ die Rede ist, ist nicht der alltagssprachliche Begriff gemeint, sondern die Wesensbestimmung eines Seienden.)

Jesus, der Mensch

Mittels der Unterscheidung Akzidentien – Substanz lässt sich die Menschwerdung Gottes in Jesus verdeutlichen.

Gott ist Mensch geworden, „in allem uns gleich, außer der Sünde“. Jesus war mit all seinen Eigenschaften Mensch: er hatte Körper und Seele, ging unter den Menschen, musste essen, trinken. Auch war er nicht allwissend; an mehreren Stellen ist dies in der Bibel bezeugt.

Wenn wir also die Kategorien in den Blick nehmen, dann ist Jesus ganz Mensch. Und wenn wir die Substanz, das „Wesen“ Jesu beschreiben, dann auch als Mensch: er ist „wahrer Mensch“.

Gott ist Mensch geworden

Nun zeichnet uns Christen ein Bekenntnis aus, das allen anderen Religionen fremd ist: wir bezeugen, Gott ist Mensch geworden. In der Person Jesu Christi. Die uneinholbar scheinende Grenze zwischen Gott und seiner Schöpfung ist nicht so fest, dass Gott nicht auch diese überwinden könnte. Somit ist Gott uns nicht nur der ganz andere, er begegnet uns als Mensch. Und umfängt unsere Freude in seiner Freude, unser Leid in seinem Leid.

Für die Menschwerdung Gottes brauchen wir ebenso ein Bild, und es ist wieder das Bild des „Sohnes, das uns in der trinitarischen Beschreibung begegnet. Das Bild darf gleichsam auch hier nicht „wörtlich“ missverstanden werden, als handele es sich um eine göttliche Vater-Sohn-Beziehung.

Wahrer Mensch und wahrer Gott

Wie aber kommt aber die Göttlichkeit Jesu überein mit dem Bekenntnis zu Jesus als „wahrem Menschen“?

Betrachten wir wieder die Unterscheidung Akzidentien – Substanz.

Wie wir gesehen haben, ist Gott, was die endlichen Kategorien angeht, eigenschaftslos. Denn: alle Eigenschaften, die wir mit unserer Sprache und Erkenntnis beschreiben könnten, sind allein auf endliche Wesen bezogen. Gott ist nicht in Kategorien fassbar und beschreibbar. Welche körperliche Beschaffenheit kann man festlegen? An welchem Ort befindet er sich? Er steht weder innerhalb der Kategorien seiner Schöpfung, noch außerhalb. Gott transzendiert diese; man kann nicht „eigentlich“ von Gott sprechen, sondern immer nur in Bildern. (Thomas von Aquin und andere Philosophen und Theologen des Mittelalters haben sogenannte „Transzendentalien“ beschrieben, Begriffe, mit denen sie glauben, das Wesen Gottes beschreiben zu können, wie „das Gute“, „das Wahre“, „das Eine“.)

Für uns ist, wie wir bekennen, in Jesus also Gott Fleisch geworden. Nun kommen ihm jedoch keinerlei Akzidentien zu, die wir gewöhnlich Gott zuschreiben: Allmacht, Allwissenheit und ähnliche: die Vorstellung von der Allmacht Gottes ist nur ein Bild, das wir uns von Gott machen, der Endlichkeit unseres Vorstellungsvermögens entlehnt. Diese Eigenschaften sind Krücken unseres Fassungsvermögens, um bei der Rede von Gott nicht zum Schweigen verdammt zu sein.

Somit kann der substanzielle Unterschied zwischen Gott und Mensch überwunden werden: da der Mensch das Wahre erkennen, das Gute tun, das Eine realisieren, das Schöne erstreben kann, kann ein Mensch mit menschlichen Eigenschaften in Bezug auf seine „substantia“ zugleich wahrer Mensch und wahrer Gott sein.

Und genau dies ist unser Bekenntnis, wenn wir Jesus ungeschickt und missverständlich als „Sohn Gottes“ bezeichnen. Das Entscheidende hierbei ist, dass Gott und Mensch Jesus nicht über mehr Eigenschaften verfügt, als die menschlich-natürlichen. Wäre Gott mit anderen Eigenschaften „Fleisch“ geworden (z. B. Allwissenheit, Allmacht), dann hätte er wiederum außerhalb seiner Schöpfung gestanden.

Gott begegnet uns Menschen

Gott ist unseren Weg gegangen. Er begegnet uns Menschen in unserer Freude. In unseren Erfolgen. Aber auch in unserem Leid. Selbst in der wohl schlimmstmöglichen menschlichen Erfahrung: der völligen Isolation und Beziehungslosigkeit, der Verworfenheit in der „Hölle“. Selbst hier begegnet uns Gott in Jesus. Der Tiefpunkt der Passion Jesu ist für uns nicht die Kreuzigung am Karfreitag, sondern der Karsamstag. Dieser ist im Andenken der Kirche der Tag der Höllenfahrt Jesu. „Hölle“ bedeutet die vollkommene Beziehungslosigkeit des nur auf sich bezogenen Menschen. Und selbst in diesem Schweigen alles lebendigen, selbst hier begegnet Gott den verschlossenen Menschen.

In unserem Verständnis ist Gott nicht „der ganz andere“, sondern Gott ist „unser“ Gott, dem nichts fremd ist.

Eucharistie

Und zuletzt noch ein Wort zu dem Mahl, was wir griechisch „Eucharistie“, deutsch „Danksagung“ nennen. Ebenso, wie Gott Mensch wurde, so wird er in der Messfeier Brot und Wein. Ebenso, wie Christus ganz und gar Mensch war, mit allen menschlichen Eigenschaften, so behalten dieses Brot und dieser Wein die Eigenschaften von Brot und Wein beim Wunder der „Wandlung“. Ebenso, wie Jesus substanziell „wahrer Mensch“ blieb, so bleiben Brot und Wein ganz Brot und Wein. Ebenso wie Jesus aber substanziell „wahrer Gott“ war, so werden Brot und Wein (im Bild) zu seinem Fleisch und Blut, gemeint ist: auch sie werden gemäß ihrer „substantia“ Gott. Hier wird Gott für uns greifbar, und wir Christen sind eingeladen, an ihm teilzuhaben.

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2 Kommentare zu Der Eine Gott (3)

  1. Johannes vondaham sagt:

    Ich kann mit den Worten Gott ist Mensch geworden nur sehr bedingt etwas anfangen.

    Wort Gottes was ist das? Die Theologie sagt gerne Jesus ist der Logos doch Jesus bezeugte vieles von sich doch das Wort Gottes zu sein nicht.
    Das Wort wurde Fleisch! Ergibt für mich das Bild der Empfängnis, Gottes Geist zeugte Jesus und dadurch heist es im Wort war das Licht!
    Jesus ein Mensch! Wie du zutreffend sagtst ist in Jesus keine Substanz die dem Menschen nicht gegeben worden wäre. Aus dem letzten heraus nenne ich Jesus nicht Gott vorallem weil für viele mit Gott nur der Eine, unser Vater gemeint ist, hingegen teilt kaum mwhr jemand das Verständnis dass es viele „sogennante Götter gibt“ (im Himmel). Ich fühle mich leider manchmal von analphabeten umgeben wenn Gott und Sohn Gottes für Menschen keinen Unterschied ergibt. So hört man dann Zeugnisse die laut Schrift nicht von Gott sind wie: Gott ist für uns gestorben. Einzig das Zeugnis dass der Sohn Gottes für uns starb kommt von Gott. Sein Wort ist auch das er unsterblich ist viele ignorieren das und aind nicht abzubringen davon dass Gott für sie starb. Sie meinen damit Jesus und sie denken immer an ihn wenn von Gott die rede ist, den Vater kennen sie nur in der Theorie Jesua iat alles in allem für sie aus den Dogmatisxhen Predigten heraus. Mfg Johannes Berner

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