Der hundertste Name Allahs

Ich verweile noch einmal in meiner Meditation bei der ersten Sure. Wer ist Allah? Wie wird er beschrieben?

Erbarmer
Barmherziger
Weltenherr
Herrscher

Allah hat, gemäß einem Hadith, einer islamischen Überlieferung, einhundert Namen. Neunundneunig Namen sind im Koran überliefert. Jeder Name Gottes ist eine eigene Meditation wert. Jede Meditation der Namen ein Schritt zum Kennenlernen Gottes.

Wir Christen sprechen auch von Gott in „Namen“. Für uns ist er Richter, der Schöpfer, unser Herr, der Gute schlechthin, der Eine. Wer einmal nachschlägt, wird alle diese Namen Gottes unter den Neunundneunzig finden.

Einen Namen für Gott schenkte uns Jesus, der uns Christen teuer, und mir persönlich der liebste ist: für uns ist Gott vor allem Vater. Aber keiner all dieser Namen ist im Sinne des Hadith der einhundertste Name Allahs. Denn: so wichtig die Namen Gottes sind: sie alle fassen die Wirklichkeit Gottes nicht.

Gott ist unendlich, unbegrenzt, und damit auch mit unseren Begriffen nicht erreichbar. Warum? – Jedes Wort, das wir kennen, ist im endlichen verhaftet. Nennen wir Gott „Richter“, so meint der Begriff zunächst einen Menschen, der über andere richtet. Gerechtigkeit ist die Grundtugend des Richters, und wir stellen uns Gott als den Gerechten schlechthin vor. Aber auch Begriffe wie „gerecht“ beschreiben und begrenzen zugleich: denn oft genug steht Gerechtigkeit im Gegensatz zu Gnade beispielsweise. Und der Gerechte ist eingeschränkt: er kann nicht zugleich der Gnädige sein. Wie kann Allah barmherzig und (als Richter) gerecht zugleich sein? – Gegensätze fallen in Gott zusammen, ohne einander in Ihm zu widersprechen.

Gott ist nicht begrenzt, und so erweisen sich sogar Begriffe wie „gerecht“, „gnädig“, „allmächtig“ als Bilder für eine Wirklichkeit, die unsere begrenzten Begrifflichkeiten und unsere Vorstellungsmöglichkeiten übersteigt: sowohl unsere Sprache, wie auch unser ganzes Denken können Gott nicht fassen.

Wir kennen zwar in der westlichen Philosophie die „Transzendetalien“, Wörter wie „das Gute“, „das Wahre“, von denen angenommen wurde, sie könnten Gott beschreiben. Aber auch sie bleiben uns letztlich ebenso fremd, wie die Wirklichkeit Gottes: wir können sie anstreben, oft vielleicht verstehen, aber dann entziehen sie sich uns in ebendieser Weise wieder.

In der Hadith wird gesagt: den hundertsten Namen Gottes kennen wir nicht. Und vielleicht meint die Überlieferung genau das: der hundertste Name ist uns nicht deshalb verborgen, weil niemand ihn uns verraten hätte. Sondern viel mehr mag gelten:

Die neunundneunzig Namen Gottes sind Bilder. Der einhundertste Name Gottes beschreibt das wahre Wesen Gottes, und kein Begriff der Welt kann dies fassen.

Wenn die Namen aber das Wesen Gottes nicht beschreiben, wenn es lediglich Bilder sind: sollten wir uns denn dann nicht ganz von ihnen verabschieden? Ich denke, wir sollten es nicht. Denn: sie allein ermöglichen uns, über Allah zu sprechen. Ohne Bilder sind wir zum religiösen Verstummen verurteilt. Und was wäre eine Religion, in der nicht über Gott gesprochen würde? Was wäre ein Blog, in dem überhaupt nichts steht?

Zusammenfassend halte ich drei Erkenntnisse für mich fest:

1. Alle Rede von Gott ist eine Rede in Bildern. Das Wesen Gottes ist in Sprache nicht beschreibbar. Eigentliches Sprechen von Gott ist nicht möglich. Allah ist nicht durchschaubar.

2. Wer behauptet, er wisse, wer Gott ist, irrt oder lügt. Wer behauptet, er habe Gott gefunden, irrt oder lügt. Wer behauptet, er könne beschreiben, wie Gott wesentlich ist, irrt oder lügt.

3. Der Weg zu Gott ist immer eine Suche; niemand kommt, so lange er lebt, am Ziel der Suche an. Erkenntnis Gottes ist Annäherung.

Jörg c

Dies fände ich spannend, von Euch zu erfahren:
@alle:
Welche “Namen Allahs”,
welche Bilder von Gott sprechen Euch in besonderer Weise an?

@Muslime:
Lernt Ihr die Namen Gottes auswendig? –
… mit dem Herzen? –
… zu beten/meditieren?
Welche Bedeutung haben die Namen Allahs für Euch?

@alle:
Natürlich könnt Ihr auch jeden Beitrag nach eigenem Belieben kommentieren!

Dieser Beitrag wurde unter Archiv veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Kommentare zu Der hundertste Name Allahs

  1. Zuerst einmal: Kompliment!
    Eine ehrenwerte Absicht, in der heutigen Zeit über den Tellerrand des eigenen Glaubens zu schauen. Natürlich wird die Bibel genauso interpretiert wie der Koran, und zwar schon seit zwei Jahrtausenden (immer passend für die Machthabenden, die sich der Religionen bedienen), immer wieder neu übersetzt… Naja.

    Das göttliche Prinzip ist für mich mit Worten nicht beschreibbar. Als Kompromiss mit meiner inneren Überzeugung und weil man ja doch mal mit anderen Menschen darüber reden will, habe ich zwei für mich akzeptable Worte dennoch erwählt:
    1.) Stille
    2.) das Universum (und alles, was darin ist.)

    Gruß, Andrea

  2. Andrea sagt:

    Ich habe vor vielen Jahren angefangen die Namen Allahs auswendig zu lernen und deren Bedeutung. Davon habe ich mir leider nicht mehr alle gemerkt, aber etliche sind mir noch im Gedächtnis und sie helfen mir in der Anbetung.

    Andrea

  3. Jan Matthias 'Abd-al-Malik sagt:

    Hallo miteinander,
    auch von mir vollen Respekt für deine Bemühungen mit diesem tollen Projekt! Finde ich wirklich erfrischend und erleichternd offen und in menschlichem Umgang über Religion reden zu können 🙂
    Ich selbst bin vor einigen Jahren zum Islam konvertiert und würde gerne einige Anmerkungen zu deinem Artikel über die Namen Allahs machen:
    Wir kennen die Anzahl der Namen Gottes nicht. In einer authentischen Überlieferung des Propheten Muhammad (mögen Allahs Segen & Frieden mit Ihm sein) heißt es ungefähr: „Wer 99 Namen Allahs „verinnerlicht hat“ (= das arabische Wort bedeutet ins Deutsche übertragen ungefähr: auswendig gelernt, verstanden und danach handeln), der geht ins Paradies ein.“ Es gibt keine weiteren Überlieferungen in denen eine bestimmte Anzahl an Namen genannt wird. Es ist Konsens der Gelehrten des Islam (seit den Gefährten des Propheten Muhammad überliefert, also Konsens seit rund 1400 Jahren), dass diese Aussage die Anzahl von den Namen Gottes nicht begrenzt. In Übereinstimmung mit dieser Meinung finden wir in Qur’an und Sunnah (authentische Überlieferungen) insgesamt 113 Namen Gottes. Bei 3 weiteren gibt es Meinungsverschiedenheiten. Die korrekte Ansicht eines Muslims ist also: Wir kennen keine Anzahl. Weder können wir die Anzahl auf 99 Namen begrenzen, da wir definitiv mehr durch die Gnade Gottes offenbart bekommen haben, noch können wir sagen, dass Gott unendlich Namen hat, da Er uns auch dies nicht mitgeteilt hat.
    Alle Namen die wir kennen sind ein Weg Gott kennenzulernen, wie du auch geschrieben hast. Wie auch unser geliebter Prophet gesagt hat, gilt es diese Gnade Gottes nicht „links liegen“ zu lassen, sondern darüber zu meditieren, nachzudenken, die Bedeutung bestmöglich zu verinnerlichen. Mit mehr Erkenntnis über unseren allmächtigen Herrn wächst auch unsere Liebe und Ergebenheit. Natürlich hast du vollkommen Recht: Gott ist unbegreifbar. Seine Namen verhelfen uns zu einer gewissen Vorstellung/ein gewisses Verständnis, aber niemals werden wir Gott in dieser Welt wirklich in Seiner wahren Macht, Größe, Gnade und Herrlichkeit „erfassen“.

    @ Andrea:
    Ich finde „Stille“ und „Universum“ irgendwie paradox als Beschreibungen für Gott. „Stille“ kann ich durchaus noch verstehen, denn unsere Herzen und Seele erfahren eine friedliche Stille im Gedenken an unseren Schöpfer. Aber das Universum ist Gottes Schöpfung. Als Synonym für Gott ist das doch widersinnig, wenn Gott uns in sämtlichen Offenbarungstexten als größtmögliche Sünde die Beigesellung anderer Götter und das gleichmachen mit der Schöpfung nennt. Aber vielleicht habe ich dich falsch verstanden… Ähnlich wie bei der Stille: Ein weg sich Gott anzunähern und Ihm zu gedenken ist ein Blick auf Seine unglaublich komplexe Schöpfung. War das gemeint? 🙂

    • Joerg sagt:

      Lieber Jan Matthias ‚Abd-al-Malik,

      entschuldige erst einmal die verspätete Freischaltung Deines Kommentars, … wieder einmal das Spam-Monster, das ihn hat untergehen lassen. Und vor allem: herzlichen Dank für Deine Korrektur und Ergänzung. Ich denke auch, ein guter Gedanke: dass Gott sich aller „Nummerierung“ und „Einordnung“ durch den Menschen entzieht. Oder, worauf Hüseyin hinwies: Allahu Akbar, Gott ist größer: größer, als dass alle Wörter und Worte der Menschen ihn beschreiben könnten.

      Gott als das Universum zu meditieren ist, denke ich, in diesem Zusammenhang ebenso legitim: wenn sich ALLE Bilder als Spiegelung Gottes im Geschöpflichen sehen, dann kann sicvh Gottes Wirklichkeit auch im Universum spiegeln: nicht, indem es ihm gleich gedacht wird, sondern, wie ein Gedicht aus dem 19. Jahrhundert sagt, das als „Jägermeister“-Spruch bekannt geworden ist:
      Das ist des Jägers Ehrenschild,
      daß er beschützt und hegt sein Wild,
      weidmännisch jagt, wie sich’s gehört,
      den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.

      Den Schöpfer im Geschöpfe ehrt. Ja. Wie Adam, der den Schöpfungsplan Gottes zu verstehen lernt – und darin auch einen Teil der Wirklichkeit Gottes verstehen lernt – indem Gott ihn die Namen aller Dinge lehrt.

      Oder?

      Herzlich,

      Jörg

  4. Sabine Gräf sagt:

    G-TT ist LIEBE.
    „So sehr hat G-TT die Welt geliebt, dass er SEINEN eingeborenen SOHN gab, damit alle, die an diesen glauben,nicht verloren sind, sondern das ewige Leben haben.“
    (Johannesevangelium 3,16)
    Am Anfang war das WORT und das WORT war bei G-TT, und G-TT war dieses WORT.ER selbst (JESCHUA) war am Anfang bei G-TT. Alles ist durch IHN geworden.Ohne IHN ist nichts geworden, was geworden ist.In IHM war das Leben.Das Leben war das Licht der Menschen. Das Licht scheint in der Dunkelheit. Die Dunkelheit hat es nicht überwunden.(Johannesevang. 1,1-4)
    Er kam in das SEINE, aber die SEINEN nahmen IHN nicht auf. Allen denen aber, die IHN schenkte ER Vollmacht, Kinder G-TTes zu werden.Das sind die,die an SEINEN Namen glauben.(Johannesevang. 1,11-12)
    Und ich sah den geöffneten Himmel,und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf sitzt, heißt „Treu & Wahrhaftigkeit“Mit Gerechtigkeit richtet und kämpft ER. SEINE Augen sind wie eine Feuerflamme, auf SEINEM Haupt sind viele Kronen,ER trägt einen Namen, den niemand kennt, als ER allein. Er ist angetan mit einem blutgetränkten Gewand.SEIN Name ist“WORT G-TTES“…Aus SEINEM Munde geht ein scharfes Schwert hervor,mit dem ER die Völker treffen wird….Auf SEINEM Mantel an der Hüfte steht SEIN Name geschrieben: „König der Könige, HERR der Herren“.(Offenbarung 19,11-13.15a+16).
    G-TT ist Liebe.Darin ist G-TTes Liebe zu uns offenbar geworden,dass G-TT SEINEN eigenen einzigen SOHN in die Welt gesandt hat,dass wir durch IHN leben sollen.Darin besteht die Liebe, nicht dass wir G-TT geliebt haben, sondern dass ER uns geliebt hat und SEINEN SOHN zur Versöhnung für unsere Sünden gesandt hat.
    Jeder, der glaubt, dass JESUS der CHRISTUS ist, ist aus G-TT geboren,..Denn alles, was aus G-TT geboren ist, überwindet die Welt.Und der Sieg, der die Welt überwunden hat, ist unser Glaube.Wer ist es,der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass JESUS (=JESCHUA) der SOHN G-TTES ist.Dieser ist der wahrhaftige G-TT und das ewige Leben.(1.Johannesbrief 4,8b-10; 5,1.4-5.20c).
    Wer nun den SOHN hat, der hat das Leben.Wer den SOHN G-TTES nicht hat, der hat auch das Leben nicht.(1.Joh.brief 5,12).
    PS: Ich lese ab und an im Koran, einzig um meinem mit dem Koran argumentierendem Gesprächspartner belegen zu können und erneut bestätigt zu bekommen, dass einzig die BIBEL das WORT G-TTes ist, das in JESCHUA Mensch wurde, DER am Kreuz für unsere Sünden starb, siegreich auferstand, auffuhr in den Himmel, von wo ER wiederkommen wird, um die Welt zu richten.
    Wer JESUS nicht seinen HERRN nennen kann, dem begegnet ER als Richter!
    G-TT hat einen SOHN und SEIN Name ist JESCHUA Ha MASCHIACH(JESUS der MESSIAS).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.