Zur aktuellen Debatte

Er ist das Paradigma des Ungläubigen: der Unruhestifter. Die Schlagzeilen der Tage zeigen wieder die bitteren Früchte seines Tuns. Ein Gläubiger Mensch sollte sich mit dieser Art von Hetze nicht abgeben, diesen Dingen im Herzen keinen Platz einräumen. Traurig macht mich, dass ein übles Machwerk sogar den Tod von Menschen provoziert.

An diesem Wochenende wurden in unserer Kirche zwei Lesungen verkündet, die ich gerne in diesem Zusammenhang teilen möchte – und zwar aus der Bibel.

Aus dem Buch der Weisheit, welches den Juden und den Christen zugleich Heilige Schrift ist, dies:
„Die Frevler tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung. Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. Ist der Gerechte wirklich ein Kind Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner. Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, um seine Sanftmut kennenzulernen, seine Geduld zu erproben. Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt.“ (Weisheit 2, 1-20 i. A.)

Provokationen bieten – positiv formuliert – immer die Möglichkeit, die „Sanftmut“ des Gegners „kennenzulernen“, die „Geduld zu erproben“. Wieviel Leid wäre den Menschen erspart geblieben, wenn sie dem Film das einzige entgegengebracht hätten, was demselben würdig wäre: schweigende Verachtung.

Was sind denn die Kriterien für eine Botschaft, die unser Herz erreichen sollte? – Das sagt die zweite Lesung des Tages, aus dem Brief des Apostels Jakobus:
„Wo nämlich Eifersucht und Ehrgeiz herrschen, da gibt es Unordnung und böse Taten jeder Art. Doch die Weisheit von oben ist erstens heilig, sodann friedlich, freundlich, gehorsam, voll Erbarmen und reich an guten Früchten, sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht. Wo Frieden herrscht, wird von Gott für die Menschen, die Frieden stiften, die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut. Woher kommen die Kriege bei euch? Woher die Streitigkeiten? Doch nur vom Kampf der Leidenschaften in Euerm Inneren. Ihr begehrt und erhaltet doch nichts. Ihr mordet und seid eifersüchtig, und könnt dennoch nichts erreichen. Ihr streitet und führt Krieg. Ihr erhaltet nichts, weil ihr nicht bittet. Ihr bittet und empfangt doch nichts, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in Eurer Leidenschaft zu verschwenden.“ (Jak 3,16-4,3)

Hier finden sich die Kriterien, die zeigen, welche Botschaften Raum in unseren Herzen finden sollen: heilig, friedlich, freundlich, gehorsam, voll Erbarmen, reich an guten Früchten, unparteiisch und ehrlich. Nichts von dem ist gegeben in solchen Filmen, in unangemessenen Mohammed-Karikaturen, in Bildern des Papstes, die ihn in peinlich besudelter Soutane zeigen und ähnlichem.

Wer so etwas macht, ist Unruhestifter und kein Gläubiger: unabhängig davon, ob er Gott auf der Zunge trägt oder nicht, unabhängig davon, welcher Religion oder Staatsangehörigkeit er angehört. Aber auch derjenige, der sich dagegen laut auflehnt und seine persönliche Empörung instrumentalisiert, um sich selbst hervorzutun und die eigenen Pläne zu verfolgen: auch der trägt nicht Gott im Herzen. Denn Gottes Botschaft ist ganz anders, wie wir gesehen haben.

Eine weitere Anmerkung: all dies ist ja, wie wir in den bisherigen Versen des Koran gelesen haben, nicht nur Botschaft der Bibel, sondern auch Botschaft des Koran: Unordnung, böse Taten, Unruhe auf der einen Seite. Heiligkeit (ein christlicher Begriff, zugegeben, der die Nähe zu Gott bedeutet), Erbarmen, gute Früchte auf der anderen.

In Deutschland (wie in anderen Ländern) wurde eine Debatte zu den Grenzen der Meinungs- und Pressefreiheit angestoßen. Es ist ein gutes Zeichen, dass sich hier Politiker parteiübergreifend mit den Muslimen solidarisieren.

Jörg

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2 Kommentare zu Zur aktuellen Debatte

  1. Lieber Jörg,
    Friede sei mit Dir und die Gnade und der Segen Gottes,

    die Unruhestifter auf der einen Seite haben die Unruhestifter auf der anderen Seite auf die Bühne gerufen… Und beide Seiten nennen sich „Gläubige“. Welch Ironie.

    Bedauerlich ist, dass dabei Menschen gestorben sind.

    Hüseyin Lutfi

  2. Joerg sagt:

    > Bedauerlich ist, dass dabei Menschen gestorben sind.

    Ja, bedauerlich und tragisch. Und die Menschen stehen ja auch nicht nur für sich alleine: sie haben Familienmitglieder, die trauern, Eltern, Eheleute, vielleicht Kinder, einen Freundeskreis.

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