Partnerschaft (2:25)

Es stehe im Koran, dass 72 Jungfrauen, Huris, auf jeden gefallenen Gotteskämpfer warten, um ihm ihre „Zuwendung“ zukommen zu lassen und direkt „danach“ wieder erneut von Allah zu Jungfrauen gemacht zu werden. Soweit das Vorurteil, das immer wieder – von nicht-muslimischer Seite – propagiert wird.

Wer im Koran liest, wird dort keine derartige Beschreibung finden. Die Zahl 72 findet sich nirgendwo im Koran und nirgendwo im Koran wird ein Bild skizziert, das mit der Würde der Geschöpfe Gottes unvereinbar wäre. Nirgendwo steht, dass es Herren und Diener geben wird, Fürsten und Knechte. Wohl aber ist wiederholt die Rede davon, dass Gemeinschaft der Geschöpfe Allahs ein wesentlicher Moment des „Himmels“ ist. Und diese Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft aller Geschöpfe Gottes. Und so ist im Koran, wie in 2:25 noch an zahlreichen anderen Stellen, von „Partnern“ die Rede, die einmal im Arabischen (ich berufe mich hier auf die Anmerkungen der Koranausgabe von M. Henning, Hrsg. von M. W. Hofmann) durch den Plurale „azwaj“ (wie in 2:25), ein andermal durch den Plural „al-hur“ (z. B. 37:48) bezeichnet werden. Beide Begriffe sind offen sowohl für männliche als auch weibliche Partner. An keiner Stelle im Koran ist explizite oder implizite von Diensten, geschweige denn sexuellen Dienstleistungen, die Rede.

Sowohl „Reinheit“ als auch „Schönheit“ der Partner werden jedoch an vielen Stellen betont. Und hier ergibt sich eine Parallele zu uns Christen:

Wir Christen kennen in unserer philosophischen Tradition (Thomas von Aquin hat hier Gedanken des Aristoteles aufgegriffen) die sogenannten „Transzendentalien“, Begriffe wie „das Gute“ (bonum), „das Wahre“ (verum), „das Eine“ (unum), „das Seiende“ (ens), die das Wesen des Göttlichen erfassen können, ohne in Bildern zu sprechen. Nicht bei Thomas, aber bei zahlreichen späteren Philosophen und Theologen wird „das Schöne“ (pulchrum) unter den Transzendentalien genannt.

Die Schönheit der himmlischen Partner zu beschreiben ist somit – und ich kann auch den Koran nicht anders lesen – kein Apell an die Erotisierbarkeit juveniler Gotteskämpfer, sondern Ausdruck – und hier schließt sich der Kreis zum vorangegangenen Beitrag – Ausdruck für die Vollkommenheit des ewigen Lebens. Wenn es Fülle sein soll, dann gehören auch „Schönheit“ und „Reinheit“ mit dazu.
Und somit haben die alten (und vielen Menschen liebgewonnenen) Bilder für die Partnerschaft der Menschen eine Würde, die eindrucksvoll in einer persischen Darstellung aus dem 15. Jahrhundert zum Ausdruck kommt.

Jörg c

Bildquelle: Wikipedia

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Ein Kommentar zu Partnerschaft (2:25)

  1. Joerg sagt:

    Liebe Mitlesenden,

    In der ersten Version dieses Beitrags habe ich den Artikel überschrieben mit einem Begriff, der – obgleich mit Fragezeichen abgegrenzt – einige von Euch irritierte. Ich habe ihn in klarer Abgrenzung zu denen verwandt, die damit in böser Polemik gegen den Islam wettern.

    Nun bekam ich zwei Rückmeldungen mit der Bitte, diese Überschrift noch einmal zu überdenken. Und natürlich nehme ich dies ernst und wahr und habe somit einen anderen Überschriftentitel gewählt.

    Darüber hinaus habe ich noch zwei Details im Text verändert, die die Abgrenzung noch deutlicher pointieren.

    Ganz herzlichen Dank für die Mails und beste Grüße,

    Jörg

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